02.05.2017 | Presse

Passen Arbeit und Pflege unter einem Hut?

Partner aus Wirtschaft und Verbänden erarbeiten Lösungen / Land Niedersachsen fördert Projekt der Wolfsburg AG mit EU-Mitteln

In Niedersachsen sind laut DAK Pflegereport 2015 ein Drittel der  Menschen, die einen Angehörigen pflegen, berufstätig. Mehr als 80 Prozent davon arbeiten deshalb in Teilzeit. Aufgrund wachsender Demografie-Lücken und des Fachkräftemangels stehen Unter-nehmen zunehmend vor der Herausforderung sich auf eine steigende Zahl pflegender Mitarbeiter einzustellen. Diese Arbeitnehmer zu halten und zu unterstützen, ist gerade für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ein wichtiger Erfolgsfaktor. Im Projekt „Initiative zu Empowerment durch Partizipation“ analysiert die Wolfsburg AG gemeinsam mit den Betrieben vorhandene Bedarfe und formuliert Lösungen, um Belastungen für berufstätige pflegende Angehörige zu reduzieren. Im Fokus stehen Unternehmen in Helmstedt und Wolfsburg. Das erlaubt einen Vergleich der Ergebnisse hinsichtlich städtischer und ländlicher Regionen. Zu den Projektpartnern gehören die Allianz für die Region GmbH, der Arbeitgeberverband Braunschweig e.V. (AGV), die Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft Wolfsburg-Gifhorn-Helmstedt, das Bündnis für Familie Wolfsburg und die Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften. Fördermittel aus dem Europäischen Sozialfonds in Höhe von rund 170.000 Euro stellt das Land Niedersachsen bereit.

„Erwerbstätig zu bleiben, ist für viele pflegende Angehörige ein wichtiges Bedürfnis. Gleichzeitig ist es für die Betriebe ein ent-scheidender Wettbewerbsfaktor, diese Mitarbeiter zu binden. Wie die Mehrfachbelastung für alle Beteiligten besser zu bewältigen ist, dafür wollen wir gemeinsam mit Betrieben, bestehenden Interessenvertretungen und Beratungsstellen praktische Lösungen erarbeiten“, erläutert Dr. Frank Fabian, Sprecher des Vorstands der Wolfsburg AG.

Mehrfachbelastungen im Berufs- und Privatleben meistern

Insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ist es im Wettbewerb um Fachkräfte entscheidend, geeignete Maßnahmen zur Bindung und Gesunderhaltung der Mitarbeiter umzusetzen. Deshalb erfolgt im ersten Schritt die Bedarfsanalyse unter Berücksichtigung der Interessen und Erfahrungen der Unternehmen und der Arbeitnehmer, die Angehörige pflegen. Diese Hilfe leisten überwiegend Frauen und das oft neben ihrer Berufstätigkeit und sonstigen Aufgaben in Haushalt und Familie. Insgesamt steigt die Zahl der Erwerbstätigen unter den privaten Pflegepersonen. Das ist zurückzuführen auf den höheren Anteil berufstätiger Frauen, die Ausweitung der Leistungen der Pflegeversicherung sowie den zunehmenden Anteil pflegender Männer, die in den entsprechenden Altersstufen generell häufiger als die Frauen erwerbstätig sind.

„Häufig ist den Unternehmen nicht bekannt, wie viele ihrer Mitarbeiter von einer Doppel- oder Mehrfachbelastung betroffen sind oder in Kürze sein werden. Mit Wolfsburg und Helmstedt haben wir zwei Räume identifiziert, die eine unterschiedliche Betrachtung dieser Entwicklung im städtischen und ländlichen Kontext zulassen“, sagt Kathrin Ebeling, Leiterin Gesundheit bei der Wolfsburg AG. Das Unternehmen bringt als Projektträger seine Expertise aus den Themenfeldern Demografie, Betriebliches Gesundheitsmanagement und Netzwerkkoordination ein.

Die Bildung eines Netzwerks aus regionalen Partnern, die bereits KMU beraten, ist neben der Bedarfsanalyse ein weiterer wichtiger Meilenstein im Projekt. In so genannten Lösungswerkstätten entwickeln die beteiligten Institutionen geeignete Maßnahmen, die die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege in den Unternehmen fördern. Ab Mitte 2018 sollen die Aktivitäten exemplarisch in drei der teilnehmenden Betriebe eingeführt werden.

 

Bildunterschrift: (Quelle: Wolfsburg AG / Susanne Hübner)

Das Land Niedersachsen unterstützt mit EU-Mitteln ein Projekt der Wolfsburg AG, in dem bis 2019 Lösungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege erarbeitet werden. Am 2. Mai erfolgte die Übergabe des Förderbescheids im Amt für regionale Landesentwicklung Braunschweig.

v.r. Matthias Wunderling-Weilbier, Landesbeauftragter für regionale Landesentwicklung Braunschweig, Birgit Honé, Staatssekretärin für Europa und regionale Landesentwicklung in der Niedersächsischen Staatskanzlei, Dr. Frank Fabian, Kathrin Ebeling und Shanna Weiser von der Wolfsburg AG