18.03.2019 | Vereinbarkeit Beruf und Pflege

Lösungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege

Ergebnisse im Projekt „Initiative zu Empowerment durch Partizipation“ vorgestellt / Betroffene wünschen mehr Flexibilität und Information

Eine flexiblere Arbeits- und Urlaubsplanung, eine pflegesensible Unternehmenskultur sowie Informationsangebote: Das wünschen sich Berufstätige, die zusätzlich Pflegeaufgaben wahrnehmen, von ihren Arbeitgebern. Zu diesem Ergebnis kommt das aus EU-Mitteln geförderte Projekt „Initiative zu Empowerment durch Partizipation - Bedarfsanalyse und Lösungswerkstatt zur Stärkung regionaler KMU“. Daran hatten seit April 2017 Vertreter aus 13 kleinen und mittelständischen Unternehmen aus Wolfsburg und dem Landkreis Helmstedt teilgenommen. Auf Basis der formulierten Bedarfe entstanden Angebote, die exemplarisch in den Unternehmen erprobt wurden. „Zu den praxisnahen Lösungen gehören ein Leitfaden zum Thema Pflege und Beruf, eine Checkliste für Betriebsunterweisungen, ein Muster-Informationsflyer sowie eine Plakatausstellung“, erläutert Kathrin Ebeling, Leiterin GesundheitsWirtschaft bei der Projektträgerin Wolfsburg AG. Die Unterlagen erhalten interessierte Unternehmen künftig beim Überbetrieblichen Verbund Region Wolfsburg e.V. Der Leitfaden steht auch unter www.frauundwirtschaft.de/beruf-und-pflege-leitfaden zur Verfügung.

Die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege gewinnt angesichts der älter werdenden Bevölkerung immer stärker an Bedeutung. Etwa 3,9 Millionen Menschen in Deutschland kümmern sich derzeit um hilfe- oder pflegebedürftige Menschen, knapp die Hälfte davon ist berufstätig. Vor diesem Hintergrund müssen sich Unternehmen zunehmend damit beschäftigen, wie sie Mitarbeiter, die Pflegeaufgaben wahrnehmen, unterstützen können.

Konkrete Bedarfe regionaler Unternehmen im Mittelpunkt

13 kleine und mittelständische Unternehmen aus Wolfsburg und Helmstedt hatten sich an dem aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds geförderten Projekt beteiligt. In einer Analysephase, wissenschaftlich begleitet von der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften, wurden zunächst die Bedarfe der Arbeitgeber und Arbeitnehmer ermittelt.

Bedarf nach mehr Flexibilität und Informationen

Die Bedarfsanalyse machte deutlich, dass Zeit ein wesentlicher Faktor für pflegende Angehörige ist. Viele wünschen sich flexiblere Arbeitszeiten, um ihren Betreuungsaufgaben nachzukommen und zwischendurch den eigenen Akku aufzuladen. Auch der Wunsch nach einer pflegesensibleren Unternehmenskultur existiert. Die Befragungen ergaben zudem, dass sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer nur wenig über Unterstützungs- und Informationsangebote für pflegende Angehörige wissen. „Die Ergebnisse der Bedarfsanalyse bildeten die Grundlage für die anschließende Lösungswerkstatt, in der wir gemeinsam mit den Unternehmen sowie lokalen und regionalen Dienstleistern Unterstützungsmöglichkeiten identifizierten und Maßnahmen für berufstätige pflegende Angehörige erarbeiteten. Einige Unternehmen haben diese dann exemplarisch umgesetzt“, erklärt Shanna Weiser, Leiterin des Projektteams bei der Wolfsburg AG.

Individuelle Informationsmaterialien

Um dem Wunsch nach Informationen nachzukommen und Mitarbeitern einen kompakten Überblick zu bieten, entwickelte das Projektteam einen Leitfaden zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege. Dieser fasst auf 27 Seiten wesentliche Informationen zusammen – von gesetzlichen Regelungen über Beratungsangebote bis hin zu Unterstützungsleistungen durch die Pflegekasse. Weiterhin gestaltete das Projektteam eine Checkliste für Betriebsunterweisungen, eine Vorlage für Kurzvorträge sowie Muster-Informationsflyer- und Plakate, die sich individuell auf das jeweilige Unternehmen anpassen lassen und Mitarbeiter für das Thema Pflege im Unternehmen sensibilisieren sollen.

Maßnahmen erfolgreich erprobt

Die Teilnahme am Projekt war für Angelika Schröter, Geschäftsführerin von angel‘S – Ihre Malermeisterin aus Königslutter, ein echter Mehrwert: „Ich weiß aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, Beruf und Pflege unter einen Hut zu bekommen. Umso wichtiger ist es mir, mein Team für das Thema Pflege zu sensibilisieren. Als sehr hilfreich erwies sich der Leitfaden, den meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dankbar annahmen.“

Auch Bettina Tews-Harms, Geschäftsführerin der Bettina Harms GmbH in Wolfsburg, profitierte von der Teilnahme: „Als Pflegeunternehmen haben wir tagtäglich dienstlich mit Pflege zu tun. Es liegt mir besonders am Herzen, meine Mitarbeiter zu unterstützen, die neben der Arbeit Angehörige pflegen. Dazu gehört im ersten Schritt, die Aufmerksamkeit der Führungskräfte mit Hilfe eines Vortrags und weiterführenden Informationen auf die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf auch im eigenen Unternehmen zu lenken.“

Ideen für die Versorgung

Die weiteren Projektergebnisse verdeutlichen, dass sich pflegende Angehörige auch Verbesserungen bei den öffentlichen Versorgungsstrukturen sowie in der Gesundheits- und Pflegepolitik wünschen. Genannt wurden u.a. Bedarfe für mehr Kurzzeitpflegeplätze und Versorgung in Randzeiten. Lösungsansätze dafür wären beispielweise eine regionale App zur Erfassung freier Kapazitäten in der pflegerischen Versorgung, eine Pflegenotaufnahme oder ein sogenannter „Care-Sitter“, der die kurzfristige Betreuung in Notfallsituationen sichert. „Diese Ideen gehen über den betrieblichen Kontext hinaus. Deshalb geben wir sie an die Stadt Wolfsburg und den Landkreis Helmstedt weiter“, ergänzt Shanna Weiser.

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