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Innovation durch Netzwerke?

Wie steht es im internationalen Vergleich um den Innovationsstandort Deutschland? Welche Rolle spielen Kooperationen und Wettbewerb in der Innovationspolitik der deutschen Unternehmen? Können Innovationsnetzwerke und regionale Cluster den Wissenstransfer erleichtern?
In der Veranstaltung „Innovationsvorsprung durch vernetztes Wissen" am 19. November 2009 in den Räumen der AutoUni Volkswagen AG versuchte Prof. Dr. Alexander Kritikos, Leiter der Abteilung Innovation, Industrie, Dienstleistung am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, anhand der Entwicklung eines in seinem Hause konzipierten Indikators – des so genannten DIW-Innovationsindikators – auf diese Fragen eine Antwort zu geben. Der Leiter des Fraunhofer-Zentrums für Mittel- und Osteuropa (MOEZ) in Leipzig, Prof. Dr. Thorsten Posselt, stellte anschließend anhand von Praxisbeispielen die Herausforderungen einer institutionellen Wissensvernetzung zwischen Forschungseinrichtungen und Unternehmen vor.

Zunächst erläuterte Alexander Kritikos den „Bauplan" des Innovationsindikators: Dieser besteht aus rund 180 Einzelindikatoren, die zu sieben Subindikatoren zusammengefasst werden, welche zusammen das Innovationssystem abbilden sollen. Die Gewichtung der Subindikatoren wird auf Basis einer Managerbefragung festgelegt. Einer dieser Subindikatoren ist die Vernetzung, die mit einer Gewichtung von 14% in den Gesamtindikator einfließt. In diesen Subindikator gehen Variablen zum Wissenstransfer, zu Firmennetzen, zu Clustern und zur globalen Wissensvernetzung ein. Ein weiterer Subindikator heißt „Wettbewerb". Hier wird versucht, durch unterschiedliche Variablen die Wettbewerbssituation in den betrachteten Ländern zu vergleichen sowie Unterschiede in der Produktmarktregulierung abzubilden.
Aus den Werten des unlängst veröffentlichten DIW-Innovationsindikators für das Jahr 2009 leitete der Referent die folgenden Beobachtungen und Thesen ab:

1. Deutschland steht in der Gesamtrangfolge von 17 betrachteten Ländern auf Rang neun und damit nur im Mittelfeld. An der Spitze stehen die USA, gefolgt von der Schweiz, Schweden, Finnland und Dänemark.

2. Hinsichtlich ihrer Innovationsstärke lassen sich die 17 Länder in drei – im Zeitablauf zunehmend auseinander driftende - Cluster einteilen: eine Spitzengruppe, bestehend aus den USA, der Schweiz und den skandinavischen Ländern, ein breites Mittelfeld, zu dem auch Deutschland zählt, sowie die immer weiter zurückfallenden Länder Spanien und Italien.

3. Die größten Schwächen des deutschen Innovationssystems liegen nach wie vor in dem mit 21% sehr hoch gewichteten – Bildungswesen sowie bei den Finanzierungsbedingungen für Innovationen und Unternehmensgründungen und in der Regulierung von Produktmärkten.

4. Besonders erfolgreich ist Deutschland dagegen bei der Vernetzung der Innovationsakteure, wo es bei der Bildung von Unternehmensnetzwerken (Rang 3) sowie hinsichtlich des Wissenstransfers (Rang 5) und regionaler Clusterbildung (Rang 7) zur Spitzengruppe zählt.

Welche institutionellen und innovationspolitischen Faktoren hierbei eine Rolle gespielt haben mögen, war Gegenstand des anschließenden Referats von Thorsten Posselt - einem ausgewiesenen Experten für Innovationsnetzwerke, zumal die Kernkompetenz des von ihm geleiteten Fraunhofer Zentrums die systematische Zusammenführung von Anbietern und Nachfragern im Forschungs- und Entwicklungsbereich aus west- und osteuropäischen Ländern ist.

Netzwerke – ein Innovationsmotor?

In seinem Vortrag erläuterte Thorsten Posselt, der auch den Lehrstuhl für Innovationsmanagement und Innovationsökonomik an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig innehat, zunächst die Herausforderungen des Wissenstransfers bei Innovationen: „Ineffiziente Teamsitzungen, Machtkämpfe, fehlendes Vertrauen, eine unklare Aufgabenteilung und Kommunikationsschwierigkeiten sind die ärgsten Feinde einer Netzwerkbildung", hob er die vorwiegend psychologischen Herausforderungen einer Kooperation hervor. Man müsse zunächst für die Kompatibilität der Anreize der beteiligten Partner, also für eine win-win-Situation sorgen. Gerade die Vertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft sprechen oft eine unterschiedliche „Sprache", dazu kommen Probleme der Leistungsbewertung der einzelnen Partner: „Funktionierende Partnerschaften wie z.B. im Innovationscluster Nutzfahrzeugtechnologie in Kaiserslautern hängen oft von Engagement und Freiräumen der beteiligten Personen ab," fasste der Referent seine Erfahrungen zusammen.

Auf jeden Fall spielen regionale Cluster und speziell Innovationscluster als Instrumente des Wissenstransfers eine herausragende Rolle: „Räumliche Nähe ist immer von Vorteil für Kommunikation und Wissenstransfer, virtuelle Kooperationen leiden oft an mangelnden persönlichen Beziehungen," wusste der Innovationsexperte zu berichten und unterlegte seine Thesen mit Erfahrungen seines Instituts, dessen Ziel es ja ist, in der dynamischen Wachstumsregion Mittel- und Osteuropa Nachfrager und Anbieter im Forschungs- und Entwicklungsbereich systematisch zusammenzuführen. Im Vordergrund stehe dabei die Bildung stabiler Netzwerke der beteiligten Akteure – zumeist als Dreierkooperationen zwischen Fraunhofer-Instituten, Universitäten und Unternehmen. Inwieweit ist dies bisher jedoch gelungen?
Die bisherigen Erfahrungen mit den Fraunhofer-Innovationsclustern und der Gestaltung der Wissenstransferbrücke Forschungseinrichtung, Universität und Unternehmen fasste der Referent in den folgenden Thesen zusammen:

- Die Potentiale der von der Politik initiierten und geförderten Cluster – allein die Stadt Leipzig fördert zurzeit fünf Stück - bleiben oft ungenutzt, da politische vor wirtschaftlichen Motiven dominieren und sich die Beiträge und Verpflichtungen der einzelnen Partner in Grenzen halten.

- Oft fehlt s an einer langfristigen Definition der Cluster oder an der Beachtung vorhandener regionaler Besonderheiten und gewachsener (Entscheidungs-)Strukturen. Die Akteure wissen dann zu wenig voneinander, um gemeinsame Ziele und Leitlinien zu entwickeln.

- Als noch schwierig erweist sich die Einbeziehung von kleinen und mittleren Unternehmen, denen es oft an der notwendigen personellen, finanziellen und technischen Grundausstattung für die die Teilnahme an einem Netzwerk fehlt.

- Die zu beobachtenden Schwierigkeiten beim Wissenstransfer in der Praxis beruhen vor allem auf Kommunikationsprobleme.

- Trotz allem ist insgesamt – wie Feldstudien belegen - eine zunehmende Beteiligung an Innovationsnetzwerken und ein wachsendes Vertrauen zwischen den Partnern feststellbar.

Allerdings - so das Fazit des Referenten - gibt es noch „Raum für Verbesserungen": „Das Voneinander Lernen bedarf des Einander Verstehens!"

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